Der Grazer Drehbuchautor Carl Mayer war ein Pionier der Filmdichtung

Seine Szenarien enthielten nicht nur präzise Angaben zur Positionierung der Kamera und den Aufnahmewinkel auch die Ausleuchtung und bestimmte Effekte wurden berücksichtigt. Zum Stil des  Interieurs und zum Verhaltens-gestus der Personen waren genaue Anmerkungen gemacht. Damit revolu-tionierte er bereits am Anfang der neuen Filmkunst durch tradierter Erzählvorstellungen alter Romange-schichten und Bühnendramen und entledigte sich den Darstellungsformen bürgerlicher Schauspielkunst. In der Überzeugung, dass der Film genuin eine visuelle Kunst sei, die ihre Ausdrucksmittel aus den Materialien und Techniken des Mediums selbst ent-wickelt. Eine subtile Lebensgeschichte!

Das imaginäre Künstlergespräch mit Carl Mayer führt in sein

Leben und seine Werke ein!

 

 

„Der Volksbaron“

 

Baron Eduard von Falz-Fein,

der letzte russische Aristokrat mit deutschen Wurzeln

 

Im sächsischen Chemnitz beginnt die Geschichte  von Johann Georg Fein, 1773 in Erfurt geboren. 1807 ging er mit seiner Familie nach Ekaterinoslaw/Russland zum Aufbau von Textil- und Tuchfabriken. Der Anfang einer sagenhaften Geschichte und Odyssee, welche den Clan Falz-Fein zu einen des reichsten Gutsbesitzer Südrusslands machte. Sie hatten bis zu einer halben Million Marinoschafe, einen eigenen Hafen „Chorly“ am Schwarzen Meer und den größten Tierpark Russlands „Askania Nova“. Zar Nikolaus II besuchte 1914 diesen riesigen Tierpark und handelte sich Probleme in der Duma ein. Der Familie Falz-Fein gehörten Dutzende von Musterlandgütern, deren Gesamtfläche rund 64.000 ha betrug.

Mit dieser Dokumentation zeichnen wir das Leben seiner Familie  und die einzigartige Persönlichkeit, die des Barons Eduard von Falz-Fein nach. 1912 in der Ukraine auf dem Familiensitz Falz-Feinowo (Gawrilowka) geboren, erlebte er in Russland als Fünfjähriger die Revolution von 1917.

Mütterlicherseits stammt Eduard von einem der ältesten russischen Geschlechter, der Epantschin, ab. Sie war mit der Zarenfamilie blutsverwandt und brachte als einzige russische Familie drei Admirale hervor.

Baron Eduard von Falz-Fein hegt  keinen Gram gegen Russland, ganz im Gegenteil, er war glücklich, weil er sein Leben in die eigenen Hände genommen hatte. Die tragischen Jahre, wo er Vater und Onkel während der Emigration verlor, prägten sein Leben. Er gab nie auf, machte als erster aristokratischer Radrennfahrer Karriere. Als Sportjournalist von „L’Equipe“, unter Jacques Goddet, berichtete er über die größten Sportereignisse als auch über die Olympischen Spiele 1936 in Berlin. Während des 2. Welt-krieges hielt er sich in Nizza und in der Schweiz auf, er studierte Landwirtschaft und kümmerte sich, bis zu deren Tod, um seine kranke Mutter. Nach der Nazizeit wurde er durch Fürst Franz I von und zu Liechtenstein Bürger im Fürstentum Liechtenstein. Mehrsprachig  und rhetorisch begabt, baute er den Tourismus in Liechtenstein auf. Als Sportjournalist hatte er viele Verbindungen und es gelang ihm das Nationale Olympische Komitee im Fürstentum zu gründen. In dieser Nachkriegszeit war er befreundet mit Grace Kelly, Joan Crawford, Maurice Chevalier, Marc Chagall, Pierre Cardin,  Rudolf Caracciola (bei dem er zeitweise lebte), König Faruk, Soraya, der ehemaligen Frau des Schahs von Persien und vielen anderen. Es erinnert an das „Who’s Who in the World“. Seine zwei Ehen mit Virginia Curtis-Bennett und Christine Schwarz verliefen nicht glücklich, trotzdem konnte ich in meinen Gesprächen mit ihm nicht ein Quäntchen Groll heraushören. Er war und ist auch ein großer Mäzen und brachte viele Kunstschätze und Dokumente zurück nach Russland.  Er wurde vielfach geehrt, u.a. mit der Puschkin Medaille, verliehen von Wladimir Putin für seinen bedeutenden Beitrag zur „Erhaltung von Russlands Kulturerbe“. Zuletzt im Frühjahr 2017 für seine Verdienste im Sport die Pierre-de-Coubertin-Medaille aus der Hand des IOC-Präsidenten Thomas Bach.

 

Ein außergewöhnlicher Mann, ein Philanthrop, ein Zeitzeuge, der letzte deutsch-russische Aristokrat im 106. Lebensjahr.  

                                                                                           © Wolf Rajszár-Kruse, Jan. 2018


 

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